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BRCA 2-Genmutation - ein Erfahrungsbericht

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Prophylaktische Mastektomie

Wegen gehäufter Brustkrebsfälle in der Familie machte ich einen Gen-Test mit dem Ergebnis, dass ich eine BRCA-2 Genmutation habe. Mein Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, ist bei etwas über 60 %, und das Risiko, Eierstockkrebs zu bekommen, ist bei ungefähr 30 %.

 

Für mich stand immer die Mastektomie im Vordergrund. Da aber bei dieser Mutation auch das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, erhöht ist und meine Familienplanung abgeschlossen war, entschied ich mich dazu, Eierstöcke und Gebärmutter ebenfalls entfernen zu lassen.

 

Vor jeder Operation macht man sich seine Gedanken. Umso mehr, wenn man sich freiwillig unters Messer legt und sich gesunde Körperteile wegschneiden lässt. Fragen tauchen auf wie:

Geht alles gut?

Wie sieht mein Körper danach aus?

Habe ich nach der OP noch Gefühle in meiner Brust?

Wie geht meine Familie mit meiner Entscheidung um?

Ich werde auf operativem Weg und früher als erwartet in die Wechseljahre katapultiert. Mit welchen Problemen muss ich rechnen?

Werden die Schmerzen nach der OP gross sein?

Worauf muss ich nach der Operation besonders achten?

Wie lange kann ich danach nicht arbeiten?

 

Vorgesehen ist eine prophylaktische Mastektomie mit gleichzeitigem Wiederaufbau mit Silikon-Implantaten.

Wichtig ist bei einer Mastektomie, dass eine solche IMMER in Zusammenarbeit von einem gynäkologischen Chirurgen und einem plastischen Chirurgen gemacht wird. Die Aufgabe des gynäkologischen Chirurgen ist es, soviel Drüsengewebe wie möglich wegzuschaben, und der plastische Chirurg muss darauf achten, dass beim Wegschaben des Gewebes die Haut nicht verletzt und zu dünn wird.

 

Leider war dann der Erhalt der Brustwarzen doch nicht möglich, denn diese wurden nach dem Wegschneiden nekrotisch und konnten nicht zurück transplantiert werden. Das ist aber nicht so schlimm, denn man kann die Brustwarze sehr gut rekonstruieren.

mein Aussehen vor der Mastektomie

etwa zwei Wochen nach Mastektomie

ein Monat mit Silikon-Implantaten

Wegen einer gestörten Wundheilung bei der rechten Brust ist die Operations-Naht nicht zugeheilt. Die Folge davon war ein Freiliegen der Schweinehaut-Matrix und des darunter liegenden Implantats.

 

Eigentlich wollte mein Arzt das Gewebe ausschneiden und eine Sekundärnaht machen. Diesen Einfall hat er aber verworfen, weil sich zwischen der Schweinehaut-Matrix und dem Implantat eine Infektion gebildet hat. Das war auch der Grund, weshalb die Naht nicht zuheilen konnte.

Das Silikonimplantat wurde entfernt und stattdessen eine Expanderprothese eingebaut. (Eine Expanderprothese muss man sich wie einen Ballon vorstellen, der ein Ventil hat, wo man mit einer Nadel reinsticht und Flüssigkeit einfüllt. In diesem Fall Kochsalzlösung).

nach Einsetzen des Expanders (mit 300 ml)

Brust mit Expander 10 Tage später

Magnet zum Aufsuchen Expanderventil

Nach dem Einsetzen des Expanders bekam ich vom Arzt einen "Magnetsucher". Mit diesem Sucher kann das Ventil des Expanders genau festgestellt werden, denn das Gegenstück zum Magneten im Sucher befindet sich im Ventil des Expanders. Mein Expander wurde bereits während der OP mit 300 ml befüllt. Nachdem nun der Arzt mit Hilfe des Suchers das Ventil gefunden hat, wird die Stelle mit Filzstift markiert.

Danach wird in einer Spritze Nacl 0,9 % aufgezogen und das Ventil mit einer Nadel angestochen. Das NaCl wird nun in den Expander gespritzt, und dabei kann man genau sehen, wie die Brust grösser wird. Unter Umständen verspürt man da bereits eine kleinere Spannung. Da meine Haut aber bereits durch das vorherige Implantat vorgedehnt ist, habe ich nach den ersten 50 ml noch gar nichts gespürt. Es brauchte noch weitere 100 ml damit ich endlich auch was spürte. Es ist aber kein Schmerz, den ich fühle, sondern es geht eher in Richtung eines Muskelkaters, vor allem in der Achselhöhle.

Die Form der Brust ändert sich aber nicht gross, denn der Expander ist, ebenso wie das Implantat auf der anderen Seite, tropfenförmig. Damit der Expander nach dem Auffüllen wieder gegen ein Silikonimplantat ausgetauscht werden kann, muss dieser "überbefüllt" werden. Nur wenn der Expander mehr Inhalt hat als das endgültige Implantat, kann gewährleistet werden, dass es auch eine schöne Naht geben wird. Das heisst also für mich, dass mein Arzt den Expander bis etwa 650 ml befüllen wird, da mein Implantat eine Grösse von 580 ml hat.

Bericht und alle Photos: von Alexandra - Januar 2012

 

Operationsbericht Mastektomie /Austrittsbericht - Operationsbericht Implantat-Entfernung und Einsetzen des Expanders