Erfahrungsberichte zu Operationen

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Gedanken einer Patientin vor, während und nach der Operation:

Meine Fragen und Überlegungen vor der Operation:

- Wird zusammen mit dem Krebs auch wirklich nur das Nötigste vom gesunden Gewebe entfernt? Die Brust war bis anhin ja nicht gerade voluminös und sollte deshalb nicht noch viel kleiner werden. Den Krebs verdrängte ich.

 

- Wird es ganz sicher eine brusterhaltende Operation sein mit ästhetischem Aussehen und schönen, nicht wulstigen Nähten? Eine ansehnliche Brust ist für eine Frau enorm wichtig (gilt auch noch bei Seniorinnen !).

Das vorgängige Gespräch mit dem Operationsarzt, was herausgeschnitten und wie ein schönes Ergebnis erzielt werden kann, tat sehr gut.

 

Der ausführliche Beschrieb über die Sentinel-Lymphknoten-Biopsie und weitere Details wirkten beruhigend. Ich fand sehr wichtig, soviel wie möglich über das Kommende zu wissen, so war das Unvermeidliche kein Schreckgespenst mehr.

Die auszuführenden Schnitte wurden bereits auf der Haut markiert, das gab mir das Gefühl, als ginge ich anderntags zur Schönheitsoperation.

Leise Angst, es könnte nach der Operation dann doch zuviel von der Brust fehlen, blieb bestehen... ebenfalls die Angst vor der Vollnarkose.

 

Ich fühlte mich wohl während des Spital-Aufenthalts   (6½ Tage in allg. Abteilung):

Schön wäre gewesen, der Operationsarzt hätte mich noch am gleichen oder spätestens nächsten Tag im Zimmer besucht, trotz des bevorstehenden Wochenendes. Ich hätte gerne dies und jenes über die Operation erfahren, denn was er mir im Aufwachraum erklärte, war nicht eigentlich hängengeblieben. Auch hätte ich mich dann nicht so verloren gefühlt. Erst am Abend vor dem Spitalaustritt erfolgte sein Kurz-Besuch. (Ich weiss: zuwenig Zeit!)

 

Mir fehlten strikte Anweisungen betreffend richtiges Bewegen meiner Arme. Ich hatte ja beidseits eine Sentinel-Lymphknoten-Biopsie (SLB) hinter mir und kannte die Vorteile dieser Methode. Aber wie mussten die Arme im Bett gelagert sein, wieviel durfte ich diese bewegen/hochheben? Ich war verunsichert. - Erst später ist mir bewusst geworden, dass möglichst wenig Bewegung richtig gewesen wäre für einen guten Heilungsverlauf in der Achselhöhle. Was ich zu der Zeit noch nicht wusste: links waren fünf markierte Sentinel-Lymphknoten mit fünf weiteren aus Level I, rechts drei markierte Sentinel und ein angehängter aus Lebel I entfernt worden - also einige Lymphknoten mehr, als bei der Sentinel-Lymphknoten-Biopsie vorgesehen waren (laut Austrittsbericht).

 

Hilfreich wäre für mich gewesen, schon bald nach der Operation die Termine der vorgesehenen länger dauernden Untersuchungen und Besprechungen im Spital zu erhalten. Ich war in guter körperlicher und auch seelischer Verfassung und hätte die Zwischenzeit gerne sinnvoll genutzt, das Warten auf das Ungewisse machte mich etwas unruhig.

 

Meine Gedanken nach dem Spitalaustritt:

Die Operation war sehr gut verlaufen. Das Drainageschläuchlein der Wundflüssigkeit rechts konnte drei Tage später gezogen werden, dasjenige links jedoch erst am Austrittstag, also fünf Tage nach der Operation. Die Brust war noch mit durchsichtiger Klebefolie in Form gehalten. Sie schien gut geraten zu sein, genau so operiert, wie der Arzt dies zuvor mit mir besprochen hatte.

Mir ging es also sehr gut, weder ein Hämatom, noch eine Infektion waren aufgetreten. Die Schmerzen waren auch ohne Schmerzmittel aushaltbar. So kam ich voller Tatendrang zuhause an.

Dann tauchten Fragen auf:

 

- Wie muss ich mich, wieder zuhause, verhalten? Und wie lange gelten diese Verhaltensregeln?

Ich hatte viele sehr gut gemeinte Ratschläge vom Pflegepersonal erhalten. Ich wusste aber dann doch nicht so genau, was nun eigentlich richtig war. - Ich fühlte mich jedoch so gut, dass ich die Hausarbeit und speziell das Giessen der vielen Topfpflanzen mit grösserer Kanne sofort in Angriff nahm. Das war wohl falsch, denn die nach einer Woche in beiden Achselhöhlen sich bildenden Serome (durch Bindegewebe abgegrenzte Hohlraumbildung im Bereich der entfernten Sentinel-Lymphknoten, ausgefüllt mit flüssigen Blutbestandteilen/Serum) waren wohl durch zuviel Bewegung ausgelöst worden.

 

- Was ist als normal anzusehen beim Heilungsverlauf? Wie lange kann es etwa dauern, bis der "Normalzustand" wieder da ist?

- Welche Komplikationen können auftreten, und was ist in einem solchen Fall zu unternehmen? Solche Hinweise hätten mir nach dem Spitalaustritt sehr geholfen.

 

- Ich sollte sofort nach der Verbandsabnahme ein enges Top anziehen. Ich hatte nichts dergleichen dabei. - Woher also nach dem Spitalaustritt in der Eile ein solch enges, passendes Top nehmen? Wo kaufen? (in Sportartikelgeschäft gefunden.)

 

Vor dem Spitaleintritt wusste ich leider nicht, dass etwas Enges dringend zur Stabilisierung der operierten Brust und zur besseren Heilung nötig ist.

TIPP: bereits zur Operation etwas Geeignetes mitbringen.

Erika Rusterholz - im Januar 2004

 

 

Erfahrung nach Mastektomie - Empfehlungen von Patientinnen:

Folgendes mit ins Krankenhaus nehmen:

- elektrische Zahnbürste, falls vorhanden

- nur Oberteile mit Vorderverschluss

- Tops in Übergrösse und mit grossem Ausschnitt, damit diese von unten heraufgezogen werden können

- weite Unterhosen, damit die Drainageschläuche darin Platz finden

- Schuhe zum Reinschlüpfen

- Einmalwaschlappen, um sich das Desinfektionsmittel abzuwaschen

 

Tipps für den Aufenthalt:

- im Krankenhaus nichts Blähendes, wie gewisse Obst- und Gemüsesorten, essen

- die Unterwäsche und weitere nötige Kleidung im Nachttisch versorgen, anstatt im Schrank, weil die Arme nicht gut ausgestreckt werden können

 

 

Erfahrung nach Brustoperation - Fotoshooting von Gabriele:

Was für ein Tag in meinem Leben am 25. Februar 2014

 

Im Sommer 2013, bei einem Besuch zur Finissage der Ausstellung "Veränderung" im Klinikum Neuwied mit 5 weiteren betroffenen Frauen aus dem Verein "Leben mit Krebs im Rhein-Sieg-Kreis e.V." waren wir uns alle einig, dass dieses Projekt beeindruckend und noch viel mehr ist. Gerhard Zerbes erwähnte während des Rundgangs durch die Ausstellung, dass es noch weitere Shootings geben soll und dass noch weitere Frauen gesucht werden. In meine Gedanken versunken, fasziniert von diesen tollen Bildern und den mutigen Frauen, konnte ich mir damals noch sehr gut vorstellen, ebenfalls einmal so ein Model zu sein. Oder doch lieber nicht?...

 

Nach einer Zeit, in der ich mich selbst überforderte, erhielt ich im April 2010 die Diagnose Brustkrebs. Es wurden beide Brüste vollständig abladiert, auch die umliegende Haut und die Mamillen wurden entfernt. Es folgten weitere Diagnosen, wie beidseitiger Befall der Lymphknoten. Die Brüste wurden mit Expandern gleich nach der 1. OP aufgebaut. Es folgte die nächste OP der Lymphknoten. Dann die folgende für den Port. Die Chemotherapie begann. Der Port musste raus. Er wollte nicht so recht zu mir gehören. Die Expander verkapselten sich. Mein wirklich wunderbarer Onkologe versprach mir in all meiner Verzweiflung und den Schmerzen, mich nach meiner Chemophase an einen der besten Brustoperateure weiterzuleiten. Sollte ich das wirklich alles noch mal über mich ergehen lassen? Doch auch ich sollte auch noch mal ein bisschen Glück haben! Es erfolgte eine erneute OP. Die verkapselten Expander wurden entfernt und neue Expander gesetzt. Nach einem ½ Jahr wurden die neuen Implantate operiert. Im Januar 2012 war die vorerst letzte OP. Ich bin heute sehr glücklich mit meiner Entscheidung. Und angekleidet sehe ich wirklich sehr passabel aus, und keiner merkt etwas von meiner schlimmen Zeit. Diese Zeit hat auch dazu geführt, dass ich wieder zu mir gefunden habe, wieder mehr Mut zum Leben habe, und ich stelle fest, ich tue Dinge, die ich mir bisher niemals zugetraut hätte.

 

Dann, im Februar 2014, meldet sich Gerhard Zerbes und fragte nach, ob ich noch Lust hätte, mitzumachen. Oh, alle guten Geister, jetzt sofort, wann heute, morgen, übermorgen……Schreck, Entscheidung. Ja! Das Shooting war wirklich so, wie meine Vorgängerinnen es schon so bildlich beschrieben haben, und ich habe alles ähnlich empfunden. Das Ergebnis kann sich, denke ich, sehen lassen. Da ich immer schon sehr selbstkritisch war, konnte auch die schlimme Erkrankung dies nicht ändern. Ich wünsche mir, dass dieses Projekt weiterlebt, dass noch viele erkrankte Frauen diese tolle Gelegenheit nutzen können. Es bringt uns wirklich sehr viel, es macht uns glücklich und gibt uns einen kleinen Teil unserer Weiblichkeit zurück. Danke Gerhard, danke Hilde, wo immer Du jetzt auch bist. Danke Euch von Leben lieben, denn ich liebe mein Leben.

Gruss von Gabriele

Das Konzept der Ausstellung "Veränderung" / www.veraenderung.net

 

Die Fotoausstellung "Veränderung" wird deutschlandweit in Kliniken, Brustzentren, und Selbsthilfeeinrichtungen gezeigt, um zu berühren und den Blickwinkel auf eine Krebserkrankung zu verändern. Der gleichnamige Bildband begleitet die Ausstellung.

 

Die Ausstellung zeigt in sensiblen und ästhetischen Aktfotografien die veränderte Schönheit und Weiblichkeit von Krebspatientinnen.

Die bisher fotografierten Krebspatientinnen erlebten durch ein Aktfotoshooting eine deutliche Stärkung des Selbstbewusstseins und die Versöhnung mit ihrer angegriffenen Weiblichkeit. Sie konnten sich und ihren Körper wieder liebevoll annehmen.

Diese Erfahrung auch anderen Betroffenen zugänglich zu machen und damit auf sehr unkonventionelle Weise helfen zu können, indem wir Fotoshootings für Betroffene organisieren, ist das Ziel dieses Projekts.